Innovation und Umwelt Startseite ·

Akteure aus der Region geben Impulse für nachhaltiges Bauen

© Monica Silvestre / Pexels

Sei es vorausschauende Planung, ressourcenschonende Baustoffe oder innovative Verfahren, zahlreiche Akteure in MV wollen Nachhaltigkeit vorantreiben. Aber wo setzen Unternehmen konkret an und warum? Wie lassen sich Neubau und Sanierung nachhaltiger gestalten? Und wie kann man bestehende Hemmnisse gemeinsam meistern? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer Austauschveranstaltung, die am 31. Mai in der IHK Neubrandenburg stattgefunden hat. 

„Die gebaute Umwelt von morgen soll emissionsfrei, ressourcenschonend, für die Menschen bezahlbar sein und dabei auch wirtschaftlich bleiben. Die Allianz für Nachhaltiges Bauen setzt sich dafür ein, hiesige Potenziale, Erneuerbare Energien oder regenerative Baustoffe zum Beispiel, für die ‚Bauwende‘ zu nutzen und regionale Kreisläufe zu fördern. Mit unserer Veranstaltung wollen wir Ansätze von Unternehmen und Kommunen deutlich sichtbarer machen, Herausforderungen und Lösungen diskutieren“, erläuterte bei der Begrüßung Ralf Pfoth, Leiter des Bereiches Wirtschaft und Standortpolitik der IHK Neubrandenburg.

Zu Beginn ging Michael Haufe vom Stadtbauamt Greifswald auf die Erfahrungen der Universitäts- und Hansestadt mit der Nachhaltigkeit im Bauwesen ein. Nach dem Beschluss der Leitlinien zum nachhaltigen und wirtschaftlichen Bauen 2012 kam es 2017 zu der Entscheidung, grundsätzlich alle Neubauvorhaben und Komplettsanierungen der Stadtverwaltung unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeitskriterien zu planen und zu errichten. Am Beispiel der fertiggestellten Objekte wurden die Rolle der Lebenszyklusbetrachtung sowie die wesentlichen Anforderungen der gängigen Bewertungssysteme an nachhaltige Bau- und Sanierungsvorhaben deutlich.

Es folgte ein Praxisbericht aus der Mecklenburgischen Seenplatte: Gründer des Gasthauses Canow Auriel Tschaikowski berichtete über die baubiologische Sanierung. Eine ehemalige, in die Jahre gekommene Stellmacherei wurde kernsaniert, mit einem neuen Dach versehen und mit Naturbaustoffen, darunter Lehm, Holz und Kalk, neu aufgebaut. 

Das Potenzial regenerativer Baustoffe thematisierte Simon Wander von der Halm GmbH in Hohenbrünzow. Das Unternehmen bietet strohgedämmten Holzrahmenbau an, gefertigt in der Region aus Holz, Stroh und Lehm. Vor kurzem hat das Unternehmen das Cluster „Zukunftsfähige Bauwirtschaft MV“ initiiert, ein gefördertes Strukturentwicklungsprojekt, um Netzwerke aufzubauen und Stoffkreisläufe zu regionalisieren. 

Wie man bereits produzierte Kunststoffe in den Kreislauf zurückführen und beim Bauen einsetzen kann, schilderte Nico Langhans von der Thermowhite NordOst GmbH in Möllenhagen. Seine Firma produziert Dämmstoffe und verwertet dabei schaumförmiges Polystyrol, besser bekannt als Styropor. Dabei werden Kunststoffabfälle aus dem Entsorgernetzwerk oder dem dualen System eingesammelt, vor Ort zerkleinert, zu Granulat gemahlen und anschließend als recyclingfähiges Dämmmaterial genutzt. 2023 wurden in Möllenhagen 337 Tonnen Kunststoff recycelt und zu Produktionszwecken eingesetzt. Dadurch konnten dem Unternehmen zufolge ca. 674 Tonnen Rohöl und 15,5 Mio. Liter Wasser eingespart werden. 

Ferner gingen die Architekten Bodo Weih und Axel Wortmann auf Altbau als Kulturgut ein. Bestandsgebäude auch ohne Denkmalschutz verdienen es, als kulturelle und handgemachte Erzeugnisse erkannt, wertgeschätzt und in die Gegenwart übernommen zu werden, äußerten die Fachleute und hielten ein Plädoyer für den Erhalt vor Abriss. Die Architekten berichteten dabei, wie sie dem historischen Kaiserhof Penkun neues Leben einhauchen wollen. 

Die vorgestellten Praxisbeispiele aus dem östlichen MV sorgten für eine rege Diskussion. Zum Schluss berichteten Dr. Dorothee Wetzig von der IHK zu Schwerin und Andreas Flock vom Strahlwerk Stralsund über die laufenden Aktivitäten der Allianz für nachhaltiges Bauen, darunter über die Lokalinitiative für den Aufbau eines Wertzentrums in Parchim, wo wiederzuverwendende Bauteile und Baustoffe gehandelt werden sollen.

Die „Allianz für Nachhaltiges Bauen MV“, bestehend aktuell aus 25 Mitgliedern, verfolgt das Ziel, ein gemeinsames Verständnis von ressourcenschonendem Bauen zu entwickeln, nachhaltige Lösungen in die Breite zu tragen und sich gemeinsam für eine möglichst zügige Anpassung notwendiger Rahmenbedingungen einzusetzen.