Gemeinsam nachhaltig wirtschaften

Nachhaltiges Wirtschaften ist ein Prozess und funktioniert am besten gemeinsam mit Gleichgesinnten. Hier stellen wir Ihnen verschiedene Beispiele aus der unternehmerischen Praxis vor. Holen Sie sich wertvolle Tipps und lassen Sie sich von anderen inspirieren. Damit das Netzwerk wächst, brauchen wir auch Ihre Anregungen und Erfahrungen rund ums Thema Nachhaltigkeit. Melden Sie sich!

Henry Foth: Die Frage lautet nicht ob, sondern wann

Gaststätte "Anglerheim"

Der junge Unternehmer erzählt, was ihn am Thema Nachhaltigkeit fasziniert und wie er seine Gaststätte Schritt für Schritt zukunftsfähiger macht.

Was war der treibende Punkt für Dich, eure Gaststätte nachhaltiger auszurichten?
Gaststätten gab es immer und wird es immer geben. Das ist meine Überzeugung. Doch auch die Gastronomie muss mit der Zeit gehen und sich zukunftsfähig aufstellen. Durch mein nebenberufliches Masterstudium „Nachhaltigkeit in gesamtwirtschaftlichen Kreisläufen“, baue ich mir sehr viel theoretisches Wissen zu dem Thema Nachhaltigkeit und den verschiedensten Facetten auf. In der Gaststätte versuche ich, die gelernte Theorie in die Praxis umzusetzen. Das klingt erst einmal relativ einfach und schön, kostet aber unheimlich viel Kraft und Kapazität neben dem operativen Geschäft. 
 

Das Gastgewerbe hat aktuell mit vielerlei Herausforderungen zu kämpfen. Wie schafft man den Spagat zwischen der Nachhaltigkeit und der Wirtschaftlichkeit?
Viele Branchen haben momentan mit sehr vielen Herausforderungen zu kämpfen. Ich will das Gastgewerbe da gar nicht zu sehr hervorheben. Dennoch gehört auch zur ganzen Wahrheit, dass die gesamte Branche deutschlandweit im Durchschnitt vier Verlustjahre in Folge hinter sich hat. Nie ist der Mindestlohn (und damit einhergehend alle anderen Löhne) schneller und signifikanter gestiegen als in den letzten vier Jahren und noch nie sind die Einkaufspreise so explodiert wie in den letzten zwei Jahren. Die gestiegenen Energiepreise und die zuletzt wieder erhöhte Umsatzsteuer tragen ihren Teil dazu bei, dass es manchmal wirklich alles andere als einfach ist. In der Theorie könnten wir die zusätzlichen Kosten einfach an die Gäste weiterleiten. Praktisch leben wir aber in einer strukturschwachen Region und es ist Teil unserer Philosophie, dass ein Besuch in unserer Gaststätte nicht zum Luxus werden darf. 

Alles, was wir aktuell zum Thema Nachhaltigkeit unternehmen, ebenso wie alles, was in Zukunft gemacht wird, ist freiwillig und bedingt wirtschaftliche Stabilität. Also sehen wir unsere Transformation als evolutionären Prozess an. Insofern ist der Spagat „nur“ so schwer, wie unsere Erwartungshaltung an uns selbst hoch ist. Es ist wichtig, gut überlegte kleine Schritte zu gehen, diese dann aber richtig zu machen, ohne sich selbst und das Team zu überfordern. 

Welche Maßnahmen ergreift ihr bereits, um die Nachhaltigkeit in ihren verschiedenen Facetten zu stärken? 
Es sind viele kleine Maßnahmen, die uns dabei helfen, das Unternehmen ganzheitlich nachhaltiger aufzustellen. Wir orientieren uns an den 17 Nachhaltigkeitszielen der UN und leiten daraus branchenspezifische Handlungsempfehlungen ab. Bei uns gibt es vegetarische und vegane Speisen, die auch echte Speisen und nicht nur Salat und Salat ohne Dressing sind. Mülltrennung wird bei uns aktiv betrieben, und wir verstehen uns als inklusiver Arbeitgeber, der Menschen mit Einschränkungen Chancen gibt. Zudem planen wir unsere Ressourcen sehr effizient und vermeiden Verschwendung. Das Trinkgeld wird fair aufgeteilt und wir binden unsere Mitarbeitenden in die Erstellung des Dienstplanes und der Strukturierung der Gaststätte mit ein. 

Des Weiteren unterstützen wir bei Weiterbildungsmaßnahmen, wie zum Beispiel dem Ausbilderschein nach AEVO und versuchen unsere Kunden bei außer Haus Veranstaltungen dahingehend zu beraten, Mehrweggeschirr statt Einweggeschirr zu benutzen oder beispielsweise an Stelle von Schnittblumen, lieber mit Blumen Töpfen zu arbeiten. Nicht zuletzt haben wir im Jahr 2023 an der Transformationsreise Wirtschaft teilgenommen, wodurch unser Netzwerk erweitert, spannende Einblicke gewonnen und unsere Broschüre „Über den Tellerrand hinaus“ erstellt werden konnte. 

Wo siehst Du für euch Entwicklungspotenzial und was ist davon im Moment prioritär?
Erhebliches Entwicklungspotenzial sehe ich bei uns in zwei wesentlichen Punkten. Im Energiemanagement, denn aktuell verbrauchen wir sehr viel Strom und bezahlen den relativ teuer. Und bei der Gestaltung unseres Außenbereiches. 

Mit großem Interesse verfolge ich die Entwicklung horizontaler, umweltschonender Windkraftanlagen. Hier sehe ich großes Potential für uns, Strom zu erzeugen, den wir selber z.B. für unsere ganzjährig laufenden Kühlgeräte nutzen können. Ein weiterer Ansatz widmet sich dem Thema Kreislaufwirtschaft. Ich beschäftige mich mit Mini Biogasanlagen, die in der Lage sind, aus organischen Abfällen, insbesondere Speiseabfällen, Biogas und dann weiterführend Strom herzustellen, der dann ebenfalls selbst genutzt werden kann. 

Bei der Gestaltung unseres Außenbereiches planen wir die Erschaffung von Hochbeeten als natürlichen Windschutz und die Bepflanzung freier Flächen mit bienenfreundlicher Wiese. Diese Maßnahmen dienen dazu, die Biodiversität zu fördern und Geld zu sparen.

Welche Tipps hast Du für Gastronomen, die sich nachhaltiger aufstellen wollen?
Erst einmal sehe ich mich nicht dazu in der Lage, pauschal Tipps zu geben. Ich kann aber die Erfahrung teilen, dass es auf jeden Fall sehr viel Sinn macht, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinander zu setzen. Recherchieren und Kontakt aufnehmen mit Menschen, die sich bereits mit dem Thema auskennen, wird nicht schaden, um einen Überblick zu bekommen. Es ist nicht so, als hätte man aus Sicht eines Unternehmers die Wahl, „ob“ man sich dem Thema widmet. Die wichtigere Fragestellung ist, „ab wann“ man damit beginnt. Da kann ich einen Tipp geben: Je früher, desto besser! Man braucht auch gar nicht den perfekt ausgearbeiteten Masterplan um zu starten – den gibt es sowieso nicht. 

Text: 30.04.2024

Beaumont Farm – Ein Hektar voller neuer Ideen

Auf dem deutsch-englischen Schulbauernhof in Freidorf haben Natur, Sprache und Nachhaltigkeit einen besonderen Stellenwert. Die Gründerin der Beaumont Farm erzählt, wie die Kinder Umwelt- und Klimaschutz mit Spaß lernen, wie man sein Unternehmen Stück für Stück nachhaltiger machen kann und warum sie das Gendern wichtig findet.

Luise, warum sollten sich Unternehmen mit Nachhaltigkeit beschäftigen?
Ich finde, Nachhaltigkeit sollte eigentlich bei jedem präsent sein. Wir wissen nicht erst seit gestern, dass wir nur einen Planeten haben und dass er sich aktuell mit Klimawandel und Erderwärmung nicht unbedingt in die beste Richtung entwickelt und wir dafür verantwortlich sind. Unternehmen gestalten die Gesellschaft. Sie haben Einfluss darauf, was produziert und konsumiert wird. Fortschritt ermöglicht uns Vieles, aber wenn es auf Kosten der Umwelt geht, sollte man darüber nachdenken, ob das der richtige Weg ist. Für alltägliche Plastiksachen, die man einmal nutzt und wegschmeißt, gibt es Alternativen. Diese sind für Verbraucher nicht unbedingt schwieriger, sondern verlangen oft nur eine Umgewöhnung im Verhalten. 

Für Produzierende bedeutet das, das Produkt so zu entwickeln, dass nach der Nutzung möglichst kein Müll entsteht, der anschließend auf Deponien landet. Ich sehe uns Unternehmen also in der Verantwortung, nachhaltig zu wirtschaften, auch wenn es manchmal kostenintensiver ist.

Was fasziniert Dich am Thema Nachhaltigkeit?
Wissensvermittlung ist eine Aufgabe, die ich sehr gerne erfülle. Unseren Schulbauernhof besuchen viele junge Köpfe und ich habe die Chance, ihnen Gutes mit auf den Weg zu geben. Ich muss nicht belehren oder Leute z.B. zum Veganismus erziehen. Meine Aufgabe sehe ich darin, zu erklären, wie Zusammenhänge funktionieren, und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie man sich schon als Kind für Umwelt und Klimaschutz begeistern kann. Gerade Kinder verstehen, wie wichtig es ist, zu Erde und Tieren nett zu sein. Viele Kinder wollen übrigens gar keine Tiere essen. Wenn sie es tun, weil sie es so gewohnt sind, ist es auch in Ordnung. Ich kann meinen Konsum aber hinterfragen: Habe ich dazu beigetragen, dass dieses Tier mit Respekt behandelt worden ist? Oder kam es aus der Massentierhaltung? Es geht schließlich darum, mit der Tier- und Pflanzenwelt, und natürlich miteinander, respektvoll umzugehen.

Wie bringst Du den Kindern solche Themen näher?
Oft kommt die Frage, warum wir als Familie kein Fleisch essen. Darauf sage ich: Wir haben auf dem Bauernhof die Tiere aufgenommen, die andere Menschen nicht mehr haben möchten. Und wir finden es zum Beispiel schöner, das Huhn sein ganzes Leben hier zu haben: Statt es einmal zu essen, bekommen wir jahrelang Nahrung in Form von Eiern. Und unsere Essensreste schmeißen wir nicht weg, sondern verwenden sie als Futter für die Tiere. Die Schulkinder sehen, dass die Hühner bei uns frei herumlaufen und sich wohlfühlen. Sie sehen hautnah, dass sie total verschiedene Charaktere haben und ziemlich lustig sind. In dem Moment wird das Tier zu mehr als nur Chicken Nuggets. Diesen Prozess zu sehen, ist immer wieder toll. Was die Kinder dann letztendlich mit dieser Erfahrung machen, ist natürlich ihre Entscheidung. 

Anderes Beispiel: Upcycling. Ich arbeite gerne mit alten Materialien und zeige, dass Abfall ein zweites Leben haben kann. Ein leerer Milchkarton muss nicht weggeschmissen werden. Zusammen machen wir Teelichter, Laternen oder Portemonnaies daraus. Das erweckt die eigene Kreativität und hilft dabei um die Ecke zu denken.

Kommt das gut an?
Sehr gut sogar. Egal ob Laternen aus dem Milchkarton oder das Glasmalen. Alle haben Spaß. Kinder, weil sie selbst gebastelt haben, und Eltern, weil ihre Kinder mit nützlichen und kreativen Geschenken nach Hause kommen. Und mich freut es, zu sehen, dass die Kinder bei mir selbst auf die Idee kommen, ihre Handys wegzulegen. Nach den Ferienwochen bekomme ich oft Briefe, in denen Kinder mich nach Details aus den Werkstätten fragen oder Eltern über neue Interessen ihrer Kinder berichten.

Worauf achtet Ihr im Unternehmen, um möglichst nachhaltig zu wirtschaften?
Wir haben letztes Jahr eine PV-Anlage aufs Dach gebaut. Das war eine bedeutende Investition, die sich aber lohnt, weil wir viel Strom brauchen. Mit diesem Schritt haben wir angefangen unseren Stromverbrauch zu hinterfragen: Was brauche ich wirklich und wie kann ich Einsparungen machen? Ich versuche meine Wäsche nur noch zu waschen, wenn die Sonne geschienen hat und der Speicher voll ist. Als Folge ist mein Stromverbrauch deutlich nach unten gegangen. Zudem haben wir große Auffangbehälter für Wasser. Vom Regenwasser können wir Tiere und Pflanzen versorgen. Und wenn wir Gemüse oder Obst abwaschen, wird dieses Wasser auch aufgefangen. 

Außerdem haben wir vor Kurzem von Öl auf Gas umgerüstet. Ich weiß, dass ist nicht der tollste Schritt, aber immerhin einer. Wir haben uns auch effizientere Heizungspumpen eingebaut. Manche Sachen, die ich mir wünsche, passen technisch nicht oder sind für uns momentan nicht tragbar. Sonst sind es viele kleine Dinge im Alltag, auf die wir achten, z.B. Nutzung von generalüberholten Geräten oder biologisch abbaubaren Reinigungsmitteln.

Was empfiehlst Du Unternehmen, die sich nachhaltiger aufstellen wollen?
Es gibt so viele Punkte… Ich würde empfehlen, sich die eigene Logistik, den Warenein- und Ausgang anzuschauen. Es geht darum, lange Wege zu vermeiden. Kauft regional und fair produzierte Ware. Oft hat die eigene Belegschaft gute Ideen für nachhaltigeres Wirken. Ich denke, auf unterschiedlichen Ebenen finden sich Leute, die mitdenken und Vorschläge anbringen, wie zertifiziertes Druckpapier zu verwenden oder (gefiltertes) Leitungswasser zu servieren, als Wasser in Plastikflaschen. 

Du genderst gerne. Ist Sprache für Dich ein Element der Inklusion?
Auf jeden Fall. Ich finde Sprache unglaublich wichtig im Kontext der Nachhaltigkeit. Wir sehen in den Medien, wie oft Sprache genutzt wird, um die Gesellschaft zu polarisieren. Interessanterweise gehört das Gendern, wie übrigens Klimaschutz oder Veganismus, zu den Themen, die insbesondere junge Leute ansprechen. Deshalb kann ich nicht verstehen, wenn sich gerade Lehrende dagegen wehren, allein „weil es schon immer so war“. Ich finde, wir sollten uns stattdessen fragen, warum die Jugend diese Themen wichtig findet, und versuchen, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Breit gefasste Formen wie ‚TeilnehmerInnen‘ oder ‚Teilnehmende‘ sind inklusiver, moderner und oft auch kürzer. Sprache darf sich weiterentwickeln.

Text: 30.01.2024

Detlef Koepke: Wir versuchen, Sport und Nachhaltigkeit zu vereinbaren

Die Mecklenburger Seenrunde

Die Mecklenburger Seenrunde (MSR), die am 24. und 25. Mai stattfindet, feiert in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen. Aus diesem Anlass spricht Detlef Koepke über sein Herzensprojekt, bei dem er ökologische und soziale Themen im Blick hat.

Wie hat die Mecklenburger Seenrunde angefangen?
Ich wurde vor vielen Jahren von einem Freund angesprochen, die größte Radsport-Jedermann-Veranstaltung in Schweden mitzufahren. Diese ist ebenfalls 300 km lang und heute unsere Schwesterveranstaltung. In Vorbereitung darauf habe ich mich damals auf mein altes Rennrad geschwungen und wieder gemerkt, wie schön die Landschaft in der Mecklenburgischen Seenplatte ist. Meine Recherche hat gezeigt, dass es eine ähnliche Veranstaltung weder in Deutschland noch in anderen Nachbarländern gibt. Und so ist das Feuer erwacht: Ich habe mich ans Konzept gemacht, die Idee der hiesigen Regierung vorgestellt und als Folge hat 2014 die erste Mecklenburger Seenrunde stattgefunden. Wir sind mit knapp 2000 Startern wie Phoenix aus der Asche aufgetaucht.

Wie groß ist die MSR heute?
Wir sind kontinuierlich gewachsen. 2019, vor Corona, hatten wir schon fast 4000 Teilnehmer und werden aller Wahrscheinlichkeit nach auch 2024 genauso groß sein. Letztes Jahr waren 26 Nationen dabei. Das ist die größte Sportveranstaltung in Mecklenburg-Vorpommern. Ihre Einzigartigkeit verleiht ihr eine gewisse Zugkraft.

Wie bereitet man sich auf die 300 km-Strecke am besten vor?
Die Grundidee der Seenrunde ist nicht, der Schnellste zu sein, sondern Fitness, Gesundheit und Mitmachen. Man muss diszipliniert sein, muss aber nicht so viel trainieren, wie man sich im ersten Moment vorstellt. Wenn man jedes Wochenende ca. 50 km Rad fährt, dann sind das 1200 km in dem Jahr, in dem man die Seenrunde fahren möchte. Wer regelmäßig Ausdauersport macht, ist schon fit genug, ohne sich zu überfordern.

„Der Chef zahlt“ heißt das Motto, wenn man als Unternehmen mitmacht. Was bedeutet das?
Dieser etwas provokante Spruch heißt: "Der Chef zahlt" nur das Eintrittsticket, was ein relativ geringes Investment ist. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden dadurch motiviert regelmäßig Sport zu machen und tun zugleich etwas für die eigene Gesundheit. Die, die das machen, haben gute Laute, sind ausgeglichener und gesünder, weil sie meistens von Januar bis Mai trainieren. Mittlerweile machen viele Unternehmen mit 20 oder 25 Mitarbeitern mit. Zu Beginn waren es im Durchschnitt eher zwei bis drei Menschen pro Firma. Es geht also in die Breite.

Sport ist ein gutes Mittel der Mitarbeiterbindung. Das bringt mich auf das Thema Nachhaltigkeit, das bei Ihnen aber nirgendwo auftaucht. Warum?
Ich finde, dieses Thema wird ohne Ende strapaziert und bei manchen, die von Nachhaltigkeit sprechen, habe ich meine Zweifel. Mein persönlicher Weg ist, erst mal machen und erst wenn es substanziell ausreichend hinterlegt ist, dann kommunizieren.

Wir haben aber auch schon recht viel in diese Richtung gemacht. Ein Beispiel: Wir lassen kein Unternehmen aus Berlin nach Mecklenburg Bauzäune bringen oder uns mit Kuchen versorgen. Wir haben fast nur regionale Dienstleister. So können wir die Lieferwege kürzer halten und haben regionale und lokale Bindung. Das bedeutet aber auch, dass wir an der ein- oder anderen Stelle etwas höhere Kosten haben.

Motivieren Sie die Teilnehmenden, zur MSR umweltfreundlich anzureisen?
Das tun wir. Wir wissen, dass eine große Community aus Berlin kommt. Bei der Frauenrunde, bei der 100 km gefahren werden, haben wir die Startzeit an den Berliner Zug angepasst, damit die Teilnehmerinnen entspannt hin- und zurückfahren können. Zur großen Runde kommen die meisten Menschen aber mit dem Auto, z.B. mit dem Wohnmobil.

Sie haben ganz bestimmt auch andere Berührungspunkte mit der Nachhaltigkeit?
Wir haben jahrelang daran gearbeitet, Abfall zu reduzieren. Bei 4 000 Leuten, die an sieben verschiedenen Punkten essen und trinken, fällt eine Menge Müll an. Man kann einiges dagegen unternehmen: z.B. mit Lieferanten sprechen, um Verpackungsabfälle zu reduzieren. Wir haben natürlich auch unser eigenes Verhalten reflektiert und machen seit Corona viele Besprechungen digital, um weniger Fahrkilometer zu produzieren. Ein anderes Beispiel ist, dass wir in den ersten Jahren ganz viel mit Printmaterial wie Flyern gearbeitet haben. Beim Seerundenmagazin haben wir nun die Inhalte digitalisiert und die Printausgabe deutlich reduziert. Das Online-Magazin bewerben wir im Vorfeld der MSR mit QR-Codes. Wir wollen irgendwann ganz papierlos, also nur mit digitalen Medien, arbeiten.

Bei vielen Großveranstaltungen wird oft für ein soziales oder ökologisches Projekt gespendet. Machen Sie das auch?
Wir unterstützen gerne Vereine und Menschen, die uns privat bei der Umsetzung helfen. Der Verein oder die Privatperson, die z.B. an den Verpflegungsorten arbeiten, bekommen im Rahmen einer ehrenamtlichen Entschädigung das Geld. Das sind immer öfter auch junge Menschen. Letztes Jahr waren es 130 Schülerinnen und Schüler, die uns beim Vorbereiten, Packen und Ausgeben von Startunterlagen oder bei der Absicherung der Strecke zwischen Neubrandenburg und Malchow unterstützt haben. Sie werden dafür entschädigt und können das Geld z.B. für ihre Abiturfeier nutzen. So fließt das Geld, das wir einnehmen, direkt zurück. Letztes Jahr haben wir uns entschieden, ein Kinderhospiz-Projekt zu fördern. Für 2024 haben wir uns vorgenommen, die Arbeit der Feuerwehr, insbesondere der Jugendfeuerwehr bei Nachwuchsproblemen zu unterstützen.

Nachhaltigkeit hat seit ihrem Ursprung in der Forstwirtschaft den Nachwuchsgedanken im Fokus. Bei Ihnen steht also auch der menschliche Nachwuchs im Mittelpunkt?
Genau. Wir arbeiten generationsübergreifend. Also mit jüngeren und älteren Menschen zusammen. Wir merken, dass der Kontakt zwischen Jung und Alt bei uns gut funktioniert und man sich gegenseitig wertschätzt. Dabei beobachten wir wie sich das Bild von der sogenannten „schlimmen Jugend von heute“ wandelt, weil die Jugendlichen mit Enthusiasmus anpacken. Das ist heilsam für die Gesellschaft, finde ich.

Unser Gespräch ist übrigens eine gute Gelegenheit, darüber zu reflektieren, was wir schon erreicht haben. Wir können stolz sein, dass wir uns den Nachhaltigkeitsthemen gewidmet haben und dass es Substanz dahinter gibt. Ich glaube, mittlerweile ist auch der Punkt erreicht, wo wir offensiv mit diesen Themen umgehen können.

Vielen Dank für dieses Gespräch und viel Erfolg bei der diesjährigen Seenrunde!

Text: 15.01.2024

Bewusster Konsum: Unternehmen zeigen, wie es funktioniert

Koi Fashionstore und Biomarkt Seenplatte

Am 24. November findet in Neubrandenburg und der Mecklenburgischen Seenplatte der vierte Green Friday statt. Aus diesem Anlass unterhielt sich die IHK mit Dana Dohndorf (Koi Fashionstore) und Michael Kruse (Biomarkt Seenplatte) darüber, was hinter diesem Aktionstag steckt und was die beiden am nachhaltigen Wirtschaften fasziniert.

Wie ist die Idee des Green Friday entstanden und wie habt ihr andere dafür begeistert?
Dana Dohndorf: Die Idee an sich ist deutschland- oder weltweit entstanden. Ich verfolge diese Bewegung schon eine ganze Weile. Vor einigen Jahren habe ich es mir in den Kopf gesetzt, den Green Friday hier zu starten. Die Begeisterung war zu Beginn sehr zurückhaltend, sodass ich den ersten Aktionstag allein gemacht habe. Im Jahr darauf hat sich der Biomarkt NB mit eingeklinkt, bald waren wir schon eine größere Gruppe und momentan sind wir 12. Wir haben es aber immer klein gelassen, ohne es an die ganz große Glocke zu hängen. Ein gemütlicher Green Friday sozusagen.

Michael Kruse: Ich habe mich sehr gerne angeschlossen, weil Dana für mich damals die erste in Neubrandenburg war, die diese Idee authentisch und motiviert bespielt hat. Wir ergänzen uns ganz gut im Team und bringen unterschiedliche Perspektiven ein, auch weil wir unterschiedliche Bereiche vertreten: Mode bei Dana und Bio-Branche bei mir. Das verantwortungsvolle Wirtschaften verbindet uns.

Dabei seid ihr über die Innenstadt von Neubrandenburg hinausgewachsen?

Dana Dohndorf: Genau. Wir haben zwar durch die Nähe zueinander eine bestimmte Grundgemeinschaft hier in der Innenstadt, beschränken uns aber nicht darauf. Im Gegenteil, wir verstehen es als Projekt für die Seenplatte und sind offen für alle, die Lust haben mitzumachen. 

Michael Kruse: Ich finde es gut, dass wir als Bewegung langsam wachsen. Schließlich haben wir ja einen Qualitätsanspruch: Wir wollen alle Interessierten mitnehmen, mit- und voneinander lernen und dabei gut miteinander kommunizieren, das ist ein ganz wichtiges Element. Wir möchten mit unserem Aktionstag eine Strahlwirkug in die Region haben und mit den Unternehmen aus unserer Region enger zusammenarbeiten.

Solche Aktionen sind anfällig für Greenwashing. Was tut ihr, damit das nicht passiert?

Dana Dohndorf: Green Friday ist kein Stempel zum Thema Nachhaltigkeit, sondern eine Bewegung von Händlern, die den Black Friday nicht mitmachen wollen. Wir sehen ja, wie der unkontrollierte Konsum ausartet: Black Friday, Black Week, Black Month. Oft sind es ja Sachen, die nicht gebraucht und bald weggeworfen werden. Wir wollen mit unserer Aktion daher eine Art Gegenbewegung schaffen.

Michael Kruse: Genau deshalb verzichten wir zum Beispiel auf Schnäppchen, die massenweise gegeben werden, und spenden stattdessen einen Teil unseres Umsatzes für eine gute Sache.

Dana Dohndorf: Wir haben übrigens nicht die Erwartungshaltung gegenüber unseren Partnerhändlern, von der DNA unbedingt nachhaltig zu sein. Im Gegenteil, wir sind offen für konventionelle Unternehmen, die an diesem Tag für einen wertigen und bewussten Konsum sensibilisieren möchten. 

Wie kommuniziert ihr euer Konzept und wie reagiert die Kundschaft darauf?

Dana Dohndorf: Green Friday ist für mich keine Marketingaktion, sondern an sich ein ganz normaler Arbeitstag. Ich möchte an diesem Tag nicht exorbitant viel Umsatz machen. Wir geben im Vorfeld den Hinweis: Überlegt euch, was ihr kauft und wann ihr es kauft, gerne noch z.B. einen Tag länger. Ich habe nicht nur Kunden, die kommen, nur weil ihnen das Angebot gefällt, sondern auch Menschen, für die Nachhaltigkeit eine Rolle spielt. 

Michael Kruse: Im Biomarkt gehe ich in der Kommunikation pragmatisch vor. Grundsätzlich ist es so, dass alle Beteiligten, also die Unternehmen, die KundInnen und auch die unterstützten Projekte die Erfahrung von direkter Selbstwirksamkeit machen können. Diese Aktion zeigt eindeutig, wenn gemeinsam Verantwortung übernommen wird, können viele davon nachhaltig profitieren.

Entscheidet jedes Geschäft eigenständig über die Höhe der Spende oder gibt es eine gemeinsame Politik?

Dana Dohndorf: Das Schöne ist: Jeder Laden hat seine eigene Umsetzungsidee. Koi gibt immer 20 Prozent des Umsatzes an diesem einen Freitag und am folgenden Sonnabend. Und an der Kasse kommunizieren wir es ganz einfach: Lieber Kunde oder Kundin, Sie haben für 200 Euro eingekauft, 40 Euro davon gehen in das Umweltprojekt.

Michael Kruse: Im Lebensmittelhandel agieren wir mit anderen Margen. Daher haben wir uns für folgende Formel entschieden: Wir geben einen Euro pro Kunde und dann wird großzügig aufgerundet. Im Endeffekt wird eine Summe gespendet, die weniger von der genauen Kundenanzahl abhängt. Das ist der einfachste Weg für uns.

Welche konkreten Projekte habt ihr in den vergangenen Jahren unterstützt und was steht in diesem Jahr an?

Dana Dohndorf
: In den ersten zwei Jahren haben wir Plant for the Planet unterstützt, wo pro Euro ein Baum in Mexiko gepflanzt wurde. Als wir deutlich größer wurden, haben wir beschlossen, uns für mehrere Projekte zu öffnen. Und dann fragte der ein- oder andere Kunde, ob wir nicht auch Projekte vor Ort unterstützen wollen. Das war der Grund für uns letztes Jahr, durch den Aufruf in Medien Ideen zu sammeln. Vereine aus der Region haben sich bei uns beworben und Projekte mit einem konkreten Budget vorgestellt. Anschließend haben wir davon neun oder zehn Projekte mit einem klaren Nachhaltigkeitsfokus ausgewählt, z.B. eine Reparaturwerkstatt oder eine Bauernhofkita. Das meiste Geld ging an die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe, die die Renaturierung  konventioneller landwirtschaftlicher Äcker im Nonnenhof durchgeführt hat.

Michael Kruse: Momentan sammeln wir Projektideen für die diesjährige Aktion. Wenn es inhaltlich bzw. budgetmäßig stimmt, können wir wieder mehrere Kleinprojekte aus unterschiedlichen Bereichen unterstützen. Das ist aus meiner persönlichen Sicht besser als eine große Spende: So können wir diesen Nachhaltigkeitsgedanken aktiver verbreiten. Wir werden uns alle Mitte November zusammensetzen und über die Mittelverteilung entscheiden. Was auch noch wichtig ist: Wir haben keine Verwaltungskosten, sodass 100 Prozent der Spenden in die Projekte geht. 

Wie kann man aus eurer Sicht nachhaltiger shoppen? Und worauf legt ihr Wert in euren Unternehmen? 

Dana Dohndorf
: Da gibt es ganz viele Aspekte. Vor allem natürlich bewusst, also ein paar Mal überlegen, ob man das Produkt überhaupt braucht. Dann auf Zertifizierung achten, was  für meine Branche besonders aktuell ist. Wenn die Ware nicht zertifiziert ist, kann man zumindest auf Naturmaterialien, Recyclinganteil bzw. Kompostierbarkeit achten. Ein weiteres Thema für mich ist Care & Repair: Gehe mit deinen Sachen gut um, pflege und repariere sie. Bei den Wäschenetzen kann man sich zum Beispiel für Biobaumwolle statt Polyester entscheiden und somit vermeiden, dass Mikroplastik ins Wasser gerät. 

Im November starten wir übrigens mit Second hand. Wir wollen einen internen Kreislauf mit unseren Kunden: Sie können ältere Waren von den Marken, die bei uns vertreten sind, zurückbringen, auch wenn die Ware nicht bei uns gekauft wurde. Solche Artikel werden gewaschen zurückgebracht, von uns aufbereitet und wieder verkauft. So geben wir ein zweites Leben der Kleidung, die einem zu klein geworden ist, oder den Fehlkäufen. 

Michael Kruse: Ich würde das Prinzip der kleinen Schritte empfehlen. Vor allem: Als Verbraucher und Unternehmen so viel wie möglich aus der Region beziehen, wie zum Beispiel unsere Regio-Kiste mit saisonalem Biogemüse. Der Lebensmittelsektor hat aus meiner Sicht hier eine besondere Verantwortung. Weitere Themen: Wahre Preise, Verpackung und Mehrweg. Wir setzen auf Pfand und Glasflaschen und unser Obst- und Gemüse sind zu 99 Prozent unverpackt. Vor wenigen Wochen wurde eine Pfandflasche für Speiseöle als Marktidee vorgestellt – es ist klar, dass wir diese Mehrwegölflaschen anbieten werden. Markantes Beispiel sind die blauen Kassenbons, die ohne kritische Farbentwickler aus zertifiziertem Papier hergestellt werden. Wir haben bei Markteinführung sofort umgestellt. Wir wissen, es gibt noch jede Menge „Baustellen“. Es gilt das Motto: Der Weg ist das Ziel!

Was fasziniert euch am Thema Nachhaltigkeit und wo holt ihr Inspiration für den Alltag?

Dana Dohndorf
: Erstens, es macht total Spaß! Und außerdem tue ich das für mein Grundgefühl. Obwohl wir klassische Händler sind, die davon leben, dass unsere Waren verkauft werden: Seitdem unser Fokus auf Nachhaltigkeit liegt, habe ich ein viel besseres Gefühl. Mit unserer Strategie sensibilisieren wir den ein- oder anderen, und mit der Zeit kommen unsere Kundinnen und Kunden mit uns auch über diese Themen ins Gespräch. Und natürlich geht es um unsere Zukunft. Mein Sohn ist jetzt acht Jahre, da frage ich mich, wie es draußen sein wird, wenn er so alt ist wie ich. Ich möchte wenigstens einen kleinen Teil dazu beitragen, dass es uns hier künftig gut geht. 

Michael Kruse: Ich liebe die täglichen Momente, wenn unsere hiesigen Bioproduzentinnen vorfahren und kistenweise frischen Salat, Möhren oder Backwaren anliefern. Mehr Frische und regionale Wertschöpfung gehen einfach nicht. Und ich sehe, dass die nächste Generation kommt und mit Lust und Qualität in unsere Bio-Branche einsteigt. Das sind Menschen, die mich begeistern – gemeinsam mit ihnen müssen wir jetzt agieren, um eine lebenswerte Situation zu schaffen. Dafür brauchen wir viele kleine Schritte, gute Netzwerke in der Region und Austausch mit Gleichgesinnten.

Text: 10.11.2023

Sebastian Drews: Saunabaden geht auch nachhaltig!

YARVI – Sauna auf See

Herr Drews, wie kommt man auf die Idee ein nachhaltiges Saunafloß zu bauen?

Nach dem Studium habe ich eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn und einen Stopp am Baikal-See gemacht. Dort habe ich begeistert beobachtet, dass die Einwohner ihre Sauna-Anhänger direkt an den Strand gefahren haben. Ich fand das genial: aus der Sauna laufen und direkt im See landen. Dann habe ich diese Idee für die Mecklenburgische Seenplatte adaptiert und gedacht: Warum eigentlich keine Sauna auf dem Boot? 
Nachhaltigkeit ist mir schon immer wichtig gewesen. Dabei geht es weniger um die nachhaltige Sauna, sondern eher um nachhaltigen Tourismus auf der Seenplatte. Die Frage ist, wie man den Verkehr auf den Seen etwas nachhaltiger gestalten kann. Man könnte doch die Boote nicht nur aus Plastik bauen und künftig Solarpaneele und elektrischen Antriebe nutzen. Ich habe Elektrotechnik studiert, bin also technisch visiert und konnte dadurch mein Wissen einbringen. 

Ihr Floß ist handgemacht, kann man das so sagen?

Auf jeden Fall. Fast alles, was ihr hier seht, ist handgemacht – selbst die Fenster, inklusive des großen Panoramafensters der Sauna, wurden selber eingerahmt. Als Baumaterial dienten uns heimische Hölzer und Hanffasern als Dämmung. Statt umweltschädlicher Lacke und Öle wurde die Außenverkleidung geflammt, gemäß einer alten japanischen Technik – „Yakisugi“. Und wir haben auf einen natürlichen Schutz vor Schädlingsbefall gesetzt, der auch optisch überzeugt.  

Hatten Sie auch Schwierigkeiten bei der Umsetzung Ihrer Idee?

Wir wollen das ganze elektrisch antreiben und haben dafür eine Crowdfunding-Kampagne am Anfang gestartet. Unser Partner ist ein junges Unternehmen aus Holland, das eigenen Elektromotor in der führerscheinfreien 15 PS-Klasse entwickelt hat. Aufgrund von Schwierigkeiten hat er allerdings länger als erwartet gebraucht, um den Motor auch für den deutschen Markt verfügbar zu machen. Deshalb warte ich noch sehnsüchtig darauf, dass er hier bald ankommt. Man macht sich also am Anfang einen Plan, wie das zu sein hat, stellt dann relativ schnell fest, dass es anders läuft, und dann geht es darum, eine Lösung für das Problem zu finden. Ansonsten haben wir haben alles an Bord: Solarpaneele auf dem Dach, Laderegler und große Batterien, die man braucht, wenn man ein-zwei Stunden mit dem Elektromotor unterwegs sein möchte. 

Wie sind die Kunden auf Sie aufmerksam geworden und wie reagieren sie auf Ihre nachhaltigen Ansätze?

Die Gäste sind begeistert, dass es hier eine Sauna auf einem See gibt. Die meisten werden auf uns durch Vorbeifahren aufmerksam. Der Liegeplatz in Priepert ist sehr vorteilhaft: Direkt auf der Wasserstraße und verbindet mehrere Seen und Ziele in der Mecklenburgischen Seenplatte. Viele fahren am Saunafloß vorbei, sehen es und sind interessiert. Unter meinen Kunden sind viele Pärchen – letztens waren es Urlauber aus Bayern: Totale Sauna-Fans, die öfter hierherkommen und auch bei warmen Temperaturen in die Sauna gehen. Ich hatte auch schon Gruppen von jungen Männern, die ihren Bootsurlaub hier verbracht und das Saunafloß als Höhepunkt ihrer Reise gebucht haben. 

Was bedeutet eigentlich der Unternehmensname Yarvi? 

Wir haben lange nach dem Unternehmensnamen gesucht und viel ausprobiert. Irgendwann waren wir im Finnischen stöbern und haben uns dort bedient. Järvi (mit ä) ist das finnische Wort für See – wir haben es ein bisschen abgewandelt und daraus ist Yarvi entstanden. 

Worauf freuen Sie sich als Teilnehmer unseres Fachtags „Regional und Nachhaltig“?  

Für mich ist es interessant, mit jungen Unternehmen aus der Region in Kontakt zu kommen, zu sehen, wie andere ihr Geschäftsmodell aufbauen und versuchen, nachhaltige Aspekte einzubringen. Vernetzung ist für mich spannend, ich würde nämlich mein Angebot gerne noch erweitern. Man kann den Leuten auf dem Floss regionales Essen anbieten und so zeigen, was für schöne Sachen hier aus der Region kommen. 

Text: 13.09.2023

Claudia Grunert: Kreativpause machen für Nachhaltigkeit

EMJO-DESIGN

Frau Grunert, Sie haben sich letztes Jahr selbstständig gemacht und dabei einen Richtungswechsel eingeleitet. Wie ist es dazu gekommen?

Ich muss sagen, grundsätzlich bin ich kein mutiger Mensch und schlage nicht so schnell neue Wege ein. Das war eher ein schleichender Prozess. Aber kreativ war ich immer gern und habe meinen Beruf als Lehrerin schon immer sehr gemocht. Gleichzeitig hat es immer mehr Raum gefordert: Ich habe viel genäht, gemalt, digitales Design ausprobiert. Es kam mit der Zeit also immer mehr dazu. Meinen Abiturienten habe ich immer mit auf den Weg gegeben, dass sie das tun sollen, was ihrer Leidenschaft entspricht, und dass sie auf sich und nicht auf Außenimpulse hören sollen. Und dann dachte ich, dass ich dies selbst nicht unbedingt lebe. Ich habe mich gefragt, ob ich als Beamte eine „Kreativpause“ machen kann. Ich habe entschieden, dass ich erst für ein Schuljahr rausgehe und mich selbstständig mache. Jetzt habe ich noch einmal verlängert und schaue, wie es weitergeht. Ich möchte den Lehrerberuf nicht ausgrenzen aus meinem Leben, aber mein Projekt erfüllt mich momentan sehr, weil es sehr spannend ist, neue Dinge anzugehen und selbstständig zu sein.  

Ihr Unternehmen heißt Emjo Design. Was genau machen Sie und was hat das mit dem Thema Nachhaltigkeit zu tun?

Das setzt sich aus den Initialen meiner Kinder zusammen. Emjo ist sozusagen mein drittes Kind von der Leidenschaft her. Ich habe versucht, dies auf verschiedenen Säulen aufzubauen, um es zu einem nachhaltigen Unternehmen werden zu lassen. Zum einen kam das Nähen als erster Punkt – Taschen oder andere Accessoires, die nicht an Größen gebunden sind. Denn bei Kleidung wäre es schwieriger, eine größere Kundschaft anzuziehen. Dann bin ich mit einer Kollegin in Kontakt gekommen, die im Gymnasium und im Leea – Landeszentrum für erneuerbare Energien in Neustrelitz – arbeitet. Sie hatte diese tolle Idee, dass wir einen Upcycling-Kurs im Leea machen könnten. Das entspricht natürlich auch meinem Interesse, weil ich nach wie vor mit Kindern arbeiten und etwas weitergeben kann. Und andererseits kann man im Leea gerade dem Thema Nachhaltigkeit sehr gut nachgehen. Ansonsten entwickle ich digitale Designs, die zum Teil an Selbermacher verkauft werden oder an andere Online-Shops weitergegeben werden, die eine Gewinnbeteiligung entsprechend auszahlen und das Design auf Stoff oder Einnäher bringen.

Sie haben gerade das Wort Upcycling genutzt – was bedeutet das?
Es geht um Abfallprodukte, die man in der Form nicht nutzen würde, wie z.B. ein leeres Tetra Pak, was eigentlich ein tolles Material ist. Solche Stoffe werden dann verwendet und durch verschiedene Techniken so aufgewertet, dass man sie gut umfunktioniert nutzen kann. Zum Beispiel: Portemonnaies aus Tetra Paks – was ganz schnell funktioniert und nur ein paar Kniffe braucht.  Ein anderes Beispiel sind alte ausrangierte Jeans, die zu einem Kissen vernäht werden, oder Eierverpackungen, die wir gern zu Ostern zu Deko-Artikeln umfunktionieren. Es macht den Kindern viel Spaß, das alles auszuprobieren.   

Auf unserem Fachtag „Regional und Nachhaltig“ am 06.10. können wir Ihre Produkte gemeinsam bewundern. Sie werden dort auch einen Messestand aus Pappe haben, den Ihnen die Steffen Media GmbH zur Unterstützung spendiert hat. Wie finden Sie das eigentlich?

Ich war überrascht, dass die Wahl von Steffen Media auf mich fiel! Und ich freue mich, dass es dieses tolle Vernetzungsangebot gibt. Für junge Unternehmen spielt Werbung von Beginn an eine große Rolle. Da es aber zunächst mal ein Testlauf für mich war, habe ich mich mit diesen Themen noch nicht aktiv beschäftigt, weil man als Start Up viele Baustellen hat und sich orientieren muss. Da ich mich aber jetzt entschieden habe, mein Projekt weiterzuführen, spielt Vermarktung und Selbstpräsentation, zum Beispiel auf Fachtagen, Märkten oder Messen, eine wichtige Rolle. Und so ein Messestand ist eine ganz tolle Sache, vor allem weil es nachhaltig ist! 

Vielen Dank für Ihre Zeit und das informative Gespräch! Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme. 

Text: 15.08.2023


Sven Steffen: Wir versuchen in Punkto Nachhaltigkeit ein Exempel zu sein

STEFFEN MEDIA GmbH

Was steht im Bereich Nachhaltigkeit für Ihr Unternehmen im Vordergrund?

Für uns ist Nachhaltigkeit seit vielen Jahren ein wichtiges Thema. Um ein paar Beispiele aus der Produktion zu nennen: Wir drucken schon lange im Offsetbereich ausschließlich mit mineralölfreien Farben auf Leinölbasis. Im Digitaldruck haben wir jetzt ganz neu eine Maschine mit Farben auf Wasserbasis. Wir setzen seit langem auf eine komplett chemiefreie Druckplattenproduktion, das heißt, wir benötigen keine lösemittelhaltigen Entwickler mehr. Wir sind zudem mehrfach zertifiziert. Wir drucken auf Wunsch klimaneutral: Kunden können ihren Fußabdruck mit einem geringen Geldbetrag grün gestalten. Zudem sind wir FSC-zertifiziert, das ist ein kleiner, aber sehr positiver „Gegenpart“ zum Thema Recyclingpapier. 

Sie bevorzugen also FSC-zertifiziertes Papier noch vor recyceltem Papier? 

Genau.Recycling ist, zumindest was Druck- oder Kopierpapier betrifft, nicht immer so umweltfreundlich, wie man glaubt. Es ist zwar so, dass vorhandene Fasern wieder zerrieben und zu Papier gemacht werden, aber bei der Produktion wird viel Säure benötigt, was alles andere als umweltfreundlich ist. Deshalb präferieren wir, wenn wir können, Fasern aus nachhaltigem Waldanbau, die in MV erzeugt werden. Und dafür ist die FSC-Zertifizierung wichtig. 

Wie sind Sie eigentlich energie- und mobilitätsmäßig aufgestellt?

Wir haben seit über zehn Jahren eine eigene große Solaranlage, mit der wir im Moment ca. 60 MWh Strom pro Jahr erzeugen. Das heißt, wir versuchen, in dem, was wir tun, ein Exempel zu sein für viele andere. Wir erzeugen fast so viel Strom, soviel wir auch selber brauchen, und schicken ihn nicht über Stromautobahnen in Industriegebiete, sondern nutzen ihn direkt selbst. Das funktioniert vom Nachhaltigkeitsansatz und von der Ausnutzung des selbst produzierten Stroms sehr gut. Was den Fuhrpark angeht, so fahren wir seit ca. zwei Jahren mit einigen Autos komplett elektrisch. Wir verfügen über eine Ladestation, die über unsere Solaranlagen gespeist wird. Das einzige Problem sind die weiten Wege, hier können wir noch keine elektrischen Transporter einsetzen, aber im Vertrieb, wo wir mit PKWs unterwegs sind, läuft das schon ganz gut. 

Als wir uns vor einem halben Jahr unterhielten, planten Sie den Bau eines Schwalbenhauses. Wie weit sind Sie damit mittlerweile? 

Artenschutz ist für uns ebenfalls zu einem wichtigen Themenfeld geworden. Es ist bekannt, dass Mehlschwalben gerne an der Hausfassade im Schutz eines Dachvorsprungs nisten. So auch bei uns in Friedland. Doch wo laut und viel gearbeitet wird, ist kein idealer Nistplatz für Mehlschwalben. Deshalb haben wir uns vor einigen Monaten dazu entschieden, ein separates Schwalbenhaus zu bauen und sukzessive die Schwalbenkolonie dorthin umzuziehen. Als Lockvogel dient ein solarbetriebener MP3-Player mit Schwalbenrufen, der die neue Schwalbensiedlung anpreisen soll.

Das klingt sehr spannend! Sie haben außerdem einen nachhaltigen Messestand entwickelt. Was ist das genau und was ist daran nachhaltig?

Nachhaltig ist das Material, das benutzt und verwendet wird. Als Unternehmen, das seit über 100 Jahren Papier bedruckt, waren wir natürlich begeistert, als die Industrie vor einigen Jahren eine Kartonage entwickelte, die so stabil wie Möbelplatten ist. Dieses Material zu verwenden, macht aus vielen Gründen Spaß. 2019 in der Startphase, als wir mit der Produktion begannen, kam kurz danach Corona, und für die nächsten zwei Jahre benötigte niemand mehr Messemöbel. Aber wir wollten uns nicht entmutigen lassen. Diese Platten werden auf unseren großen Maschinen herkömmlich bedruckt, in Form geschnitten und somit haben die Aufsteller mehrere entscheidende Vorteile. Erstens, der Gewichtsvorteil. Unser kleiner und leichter Messestuhl ist für 120 Kilogramm zugelassen. Zweitens, die Stabilität: Man kann diese Möbel genauso belasten wie herkömmliche Möbel aus Metall oder Holzverbundstoffen. Und drittens, falls der Kunde für die nächste Messe ohnehin ein neues Design plant, kann er diese Möbel nach der Messe direkt in der Papiertonne entsorgen. Der einzige Nachteil ist, dass sie aufgrund der Wasserempfindlichkeit nur für die Innenanwendung geeignet sind.

Unser Fachtag „Regional und Nachhaltig“ am 6. Oktober wird drinnen stattfinden. Haben Sie vor, Ihr neues Produkt bei uns zu präsentieren? 

Auf jeden Fall. Wir hatten ja vereinbart, dass wir einem Aussteller unsere nachhaltige, aus Pappe gefertigte Messerückwand spendieren. Und dann sind wir mal gespannt, wie dieses Produkt bei den Kunden ankommt. Ich hoffe sehr, dass die Beteiligung bei diesem Fachtag so groß ist, wie wir es uns alle wünschen. Wir haben in unseren Regionen mit einem Entfernungsproblem zu tun, wo viele einheimische Erzeuger vom nachhaltigen Angebot, der fast in der Nachbarschaft wohnenden Erzeuger aus anderen Branchen, oft nichts wissen. Deshalb sind solche Veranstaltungen wichtig, um Leute mit gemeinsamem Interesse zu vernetzen, um zum Schluss auch Geschäft zu generieren.  

Vielen Dank für Ihre Zeit und das informative Gespräch! Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme. 

Text: 03.08.2023


Philippe Schäfer: Man muss einfach nur anfangen!

Unverpackt-Laden "Uver"

Was war eure Motivation für eine nachhaltige Gründung und wie war der Weg von der Idee bis zur Umsetzung?

Als wir 2018 nach Greifswald kamen, war Nachhaltigkeit für uns schon ein großes Thema im Alltag. An unserem vorherigen Wohnort haben wir viel im Unverpackt Laden eingekauft und waren überrascht, dass es in einer grünen Stadt wie Greifswald so einen Laden noch nicht gibt. Mit der Zeit hat sich die Idee entwickelt, dass wir das auch selbst in die Hand nehmen könnten. Erstmal war das nur ein Gedanke, dann haben wir angefangen mit verschiedenen Leuten darüber zu sprechen, uns vernetzt und der Gedanke wurde immer konkreter. Wir hatten beide überhaupt keine Ahnung, wie man so ein Geschäft gründet und was man dazu braucht. Aber mit etwas Hilfe gingen wir einen kleinen Schritt nach dem anderen und irgendwann hatten wir “plötzlich” einen fertigen Businessplan in der Hand. Ungefähr ein Jahr später öffneten wir die Türen zu Greifswalds erstem Unverpackt Laden. Das war ein wilder Ritt, aber unsere treuen Kundinnen und Kunden zeigen uns immer wieder, dass es sich lohnt!

Zero Waste – geht das wirklich?

Zero Waste ist möglich! Um wirklich überhaupt keinen Müll zu produzieren, erfordert es jedoch einiges an Commitment. Diesen Anspruch haben wir aber nicht an den Laden und an unsere Kundinnen und Kunden. Bei uns könnte man sagen “Less Waste”, also Weniger Müll. Aber ganz schön viel weniger! Wir testen uns regelmäßig selbst um herauszufinden, wie viel Verpackungsmüll man spart, wenn man ein Produkt bei uns, statt im herkömmlichen Supermarkt kauft. Das sind laut einer Hochschul-Studie im Schnitt 84%! Das wird mit der Zeit auch immer besser, weil sich immer mehr Lieferantinnen und Lieferanten entscheiden, Pfandsysteme oder nachhaltige Verpackungen zu nutzen.

Welche Themen standen für euch bisher im Vordergrund und woran wollt ihr verstärkt arbeiten?

Im Vordergrund steht bei uns die Vermeidung von unnötigem Müll. Wie der Name schon sagt, fängt das natürlich bei der Verpackung an. Aber auch in anderen Bereichen kann man viel für die Umwelt tun. Ein gutes Beispiel sind Shampoo, Seife, Waschmittel und so weiter. Die enthalten in der Regel sehr viel Mikroplastik, dass beim Benutzen in das Abwasser gelangt und sich in der Natur verteilt. Bei uns bekommt man alles, was man zum Waschen, Spülen etc. braucht, und zwar 100% biologisch abbaubar. Auch in anderen Bereichen schauen wir regelmäßig nach Alternativen zu Einweg-/ Plastikprodukten. Seien es Bienenwachstücher, wiederverwendbares Backpapier oder auch waschbare Spülschwämme, unser Anspruch ist: bei UVER bekommt man alles, was man im Alltag braucht, und tut mit jedem Einkauf etwas Gutes für die Umwelt.

Welche Tipps habt ihr für Unternehmensgründer und nachhaltige StartUps?

Als die Idee für den Laden kam, hatten wir überhaupt keine Ahnung, wo wir anfangen sollen. Wir sind aber dran geblieben, haben uns beraten lassen und uns immer gefragt: Was ist der nächste Schritt? Man kann extrem viel erreichen, man muss einfach nur anfangen! Aus finanzieller Sicht möchten wir besonders bei nachhaltigen Unternehmungen empfehlen, über ein Crowdfunding nachzudenken. Ihr werdet überrascht sein, wie viele Leute bereit sind, ein umweltfreundliches Projekt zu unterstützen. Das kann den Start extrem erleichtern.

Text: 10.01.2023

 
#KreativDurchstarten Greifswald hat jetzt einen Unverpackt-Laden: hier hören


Hannes Schröder: Nachhaltigkeit gehört zur Unternehmenskultur

Outness

Was macht den Bereich der Nachhaltigkeit für Dich interessant und was bedeutet es für Dich ganz persönlich?

Nachhaltigkeit ist so viel mehr als nur Sparen von Energie oder Wasser - es bedeutet Verantwortung für unsere natürlichen Ressourcen und unser soziales Umfeld zu übernehmen. Es geht darum, einen Weg zu finden, wie wir als Gesellschaft unsere Ressourcen effektiver nutzen können, ohne die Umwelt und die Menschen zu schädigen. Für mich ist es sehr wichtig, Lösungen für die Zukunft mit zu entwickeln und eine nachhaltige Welt zu schaffen. Ich glaube an eine Zukunft, in der Menschen in Harmonie miteinander leben und ihr Handeln stets unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit betrachten. Das macht den Bereich der Nachhaltigkeit für mich so interessant - es gibt uns die Möglichkeit etwas Positives beizutragen!

Wie lassen sich nachhaltige Ansätze im Bereich des Personalmanagements umsetzen?

Die Idee nachhaltiger Ansätze im Personalmanagement ist nicht neu. Eine der effektivsten Methoden besteht darin, einzelne Aspekte der Personalarbeit auf nachhaltige Weise zu gestalten. Dies schließt Anreize für die Mitarbeiter ein, die ihnen helfen, ein fokussiertes und erfolgreiches Arbeitsumfeld zu schaffen. Eine solche Initiative könnte beispielsweise darin bestehen, Mitarbeitenden die Gelegenheit zu geben, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten als Teil des Unternehmens zu nutzen und weiterzuentwickeln. Durch Trainingsangebote und regelmäßige Evaluierungsgespräche können Unternehmen den Mitarbeitenden helfen, sich ständig weiterzuentwickeln und gleichzeitig nachhaltige Ergebnisse zu erzielen. Hierdurch können sich Führungskräfte und Mitarbeiter über ihre Leistung austauschen und gemeinsam an Lösungen arbeiten, um den Unternehmenserfolg langfristig zu sichern. Regelmäßige Befragungen der Mitarbeiter helfen dem Unternehmen auch dabei, Verstimmungen frühzeitig zu erkennen und Lösungsmöglichkeiten zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen anzubieten.

Letztlich ist es wichtig festzuhalten, dass nachhaltige Ansätze im Personalmanagement mehr als nur eine Reihe von Richtlinien beinhalten müssen – sie müssen vor allem auch tief in die Kultur des Unternehmens integriert sein und von all seinen Mitgliedern unterstützt werden. Nur so kann eine kontinuierliche Verbesserung der Leistungsergebnisse des Unternehmens im Hinblick auf Nachhaltigkeit erzielt werden - sowohl in Bezug auf die Leistungsfähigkeit als auch hinsichtlich finanzieller Ertragskraft.

Seid ihr als Unternehmen auch selbst nachhaltig unterwegs und wo seht ihr evtl. noch Optimierungspotenzial?

Als Unternehmen sind wir uns unserer Verantwortung gegenüber der Natur und den Mitmenschen bewusst. Daher ist Nachhaltigkeit ein wichtiger Bestandteil unserer Unternehmensphilosophie. Dabei versuchen wir stets, unseren negativen Einfluss so gering wie möglich zu halten. Zum Beispiel achten wir bei unseren Produktlieferanten auf Regionalität und ökologische Nachhaltigkeit. Auch im Hinblick auf unsere Transportmittel versuchen wir umweltschonend zu agieren und nutzen so gut wie möglich alternative Antriebsarten. Darüber hinaus achten wir auf die Gesundheit unserer Mitarbeitenden sowie die Gesundheit unserer Kunden, indem wir einen gesundheitsbewussten Arbeitsstil fördern. Auch im Kundenaustausch versuchen wir nachhaltige Lösungsansätze zu finden. So setzen wir beispielsweise auf die Digitalisierung von Prozessen, um Papier- und Energieverbrauch zu minimieren und die Kommunikation effizienter zu gestalten. Zudem unterstützen wir soziale Projekte in unserer Region. Natürlich sehen wir noch Optimierungspotenzial: Insbesondere unsere Stromversorgung könnte noch mehr aus erneuerbares Energien gewonnen werden, um CO2 einzusparen. An entsprechenden Lösungen wird derzeit gearbeitet.

Hast Du einen Tipp für Unternehmensgründer oder die, die ihre Auseinandersetzung mit den Nachhhaltigkeitsthemen beginnen?

Am wichtigsten ist: einfach machen und loslegen. Grundsätzlich kann jedes Unternehmen beispielsweise mit dem Recycling von Materialien und Ressourcen beginnen. Dies kann ein guter Anfang sein, um sein Unternehmen nachhaltiger zu machen. Jedes Unternehmen bzw. die UnternehmensgründerInnen sollten den Wert der Nachhaltigkeit anerkennen und bereit sein, Ressourcen in ihr Engagement zu investieren. In vielerlei Hinsicht kann es sich lohnen, Geld in den Aufbau nachhaltiger Systeme zu stecken - vom Verringern des Energieverbrauchs bis hin zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Diese Investition trägt auf lange Sicht zum Erfolg des Unternehmens bei. Abschließend lässt sich also festhalten: Investiere in Nachhaltigkeit!

Text: 20.02.2023


Lüdeke von Maltzahn: Das ist kein Sprint, sondern ein Marathon

Forsthof Krümmel

Was bringt einen Forstwirten und Produzenten darauf, sein Holz zertifizieren zu lassen?

Die Zertifizierung ist uns wichtig, weil wir als Waldbesitzer damit transparent und glaubwürdig nachweisen, dass unser Holz aus ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltiger Waldbewirtschaftung stammt. Wir haben mit PEFC, dem leichteren Zertifikat, angefangen und arbeiten derzeit an der FSC-Zertifizierung, dort sind die Ansprüche etwas höher. Außerdem wurden wir vor einigen Jahren mit "Holz von hier", einem neueren Umweltsiegel, zertifiziert. Ich möchte den Prozess so transparent wie möglich gestalten. Unsere Kundschaft kann damit nachvollziehen, wo ihr Holz gewachsen ist und welche Transportwege es zurückgelegt hat. Regionalität und Nachhaltigkeit sind zentrale Grundsätze in der Arbeit unseres Betriebs. Ich möchte gerne beweisen, dass es möglich ist, mit den regionalen Produkten und Wertschöpfungsketten hier etwas zu bewegen. Als Gesellschaft muss man sich bewusst fragen: Wo kommt eigentlich mein Produkt her? Wir werden uns alle eines Tages zurückbesinnen und erkennen: Man muss das Geld vor Ort lassen, damit sich hier etwas entwickelt.

Sind regionale Holzprodukte heutzutage gefragt?

Das kommt auf den Kunden an. Unser Durchschnittskunde weiß ganz genau, wo unser Holz herkommt: Er kennt unsere Wälder und geht hier Pilze sammeln. Daher legt diese Kundschaft keinen großen Wert auf Zertifikate oder Siegel. Wir erleben aber, dass Auftraggeber, die öffentliche Gelder ausgeben, zum Beispiel für Restaurierung, immer mehr darauf achten, dass die gesamte Lieferkette nachverfolgbar ist. Da sind wir hier im Nordosten noch ganz am Anfang, während es in süddeutschen Ländern bereits verbindlich ist. Wenn Ausschreibungen, z.B. für Kindergärten- oder Fachwerksanierung erfolgen, dann ist Transparenz verbindlich. Hier in Mecklenburg sollten wir es schaffen, die Wertschöpfungskette im Land zu halten, regionale Arbeitsplätze zu schaffen und sichern und unsere Produkte zu veredeln. Ich hoffe sehr, dass wir in Zukunft nach dem Motto wirtschaften: Wenn öffentliches Geld ausgegeben wird, dann für nachhaltige Bauprojekte.

Sie sehen also einen regulatorischen Nachholbedarf. Sind Sie bereit, sich für mehr Regionalität und Nachhaltigkeit einzubringen?

Auf jeden Fall. Ich versuche bereits, mich über den Gemeinderat oder Ausschüsse wie LEADER einzubringen. Ich sehe ein ganz hohes Aufklärungspotenzial: Die Regionalität muss noch mehr in die Breite getragen werden. Und wir Forstwirte müssen viel mehr verstehen, dass wir eigentlich Hi-Tech-Baustoffe produzieren. Mittlerweile werden die ersten Hochhäuser aus Holz gebaut, die bis zu 140 Meter hoch sind. Es werden auch ganze Schulen aus Holz errichtet. In Berlin auf dem alten Flugplatz Tegel wird die größte Holzbaustelle der Welt entstehen. Dort werden 5000 Wohneinheiten aus Holz gefertigt und alle teilnehmenden Firmen, sei es Fenster- oder Türenbauer, werden nur Holz aus Brandenburg verwenden. Um den Verkehr zu minimieren, werden sie ihre Baustätten vor Ort haben. Das ist Aufklärungsarbeit vor Ort: Mit Holz ist alles möglich. Außerdem speichern wir damit dauerhaft C02: Jeder Stahlträger oder jedes Fensterbrett aus Kunststoff, das wir durch Holz ersetzen können, spart uns Energie. Das ist wichtig, gerade in Zeiten von Energieknappheit und hohen Preisen. Wir müssen umdenken, viel mehr aufklären und Vorurteile abbauen.

Wie gehen Sie übrigens mit den Energiethemen in Ihrem Betrieb um?

Im Sägewerk müssen wir mit Generatoren Strom produzieren, weil wir nicht ans Netz angeschlossen sind. Aktuell erfolgt die gesamte Beheizung der Halle über einen Scheitholzkessel, in dem wir die Resthölzer von der Säge verfeuern. Das heißt, wir müssen hier nicht mit Gas oder Öl heizen. Wir haben vergangenes Jahr eine PV-Anlage mit Speicher gebaut. Das bedeutet, wenn wir keine großen Maschinen laufen haben, sondern nur Licht, Strom und kleine Werkzeuge nutzen, reicht die Sonnenenergie. Wir werden unseren Betrieb in naher Zukunft in ein Nachbardorf mit einer großen Halle verlegen. Die Dächer, die mit Photovoltaik belegt werden, werden rechnerisch über das Jahr mehr einspeisen, als wir verbrauchen. Unser Slogan steht schon fest: "Mit Sonne von hier, Holz von hier sägen". Und bei unseren Ferienhäusern legen wir Wert auf gute Isolierung. Sie werden mit Luftwärmepumpen beheizt. Es wird mit der Zeit sicherlich noch bessere Verfahren geben, z.B. in der Dämmtechnik. Was mich besonders freut: Hier in Mecklenburg sind wir bereits von 17 Prozent der Neubauten aus Holz auf 20 Prozent angestiegen. Der Landeswunsch ist, die 30-Prozent-Marke zu erreichen.

Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit, passt das zusammen?

Bei größeren Aufträgen sehen wir, dass wir in gewissen Segmenten evtl. teurer sind. Aber der Preis alleine kann in Zukunft nicht entscheidend sein. Bei günstigen Einkäufen herrscht ja eine gewisse Schnäppchenmentalität, wo nicht darüber nachgedacht wird, wo das Produkt herkommt. Ein Stück Holz mit einem definierten Maß, das von mir vor Ort oder z.B. in Russland gesägt wurde, ist damit vergleichbar. Aus meiner Sicht werden wir aber alle davon profitieren, wenn die Wertschöpfungskette und der Mehrpreis im Land bleiben. Der Effekt wird sich auf lange Sicht einstellen: Wir haben weniger Verkehr, weniger Umweltverschmutzung. Mir ist bewusst: Das ist kein Sprint, sondern eher ein Marathon. Das bedeutet, meine Bäume dürfen in Ruhe wachsen. Mein Ziel darf also nicht sein, jeden letzten Cent herausholen. Wenn wir die Möglichkeit haben zu investieren, investieren wir in Infrastruktur und können so unsere Produktionskosten weiter senken. Dadurch wird das Delta zwischen dem in Mecklenburg und im Ausland produzierten Holzstück weiter gesenkt und das Regionalprodukt besser vermarktet. Noch kann es sein, dass Holz aus dem Ausland rund zehn Prozent günstiger ist, aber ist es in einigen Jahren noch verfügbar? Unser Betrieb hat das große Privileg, dass der eigene Wald direkt vor der Tür wächst. Die Frage nach der Verfügbarkeit und Lieferverlässlichkeit wird sich weiter verschärfen. Wir werden sehen, welche Betriebe zukunftsfähig sind und welche nicht.

Text: 20.02.2023

 

Auf dem Forsthof Krümmel mehr als ein Trend: hier hören

 


Andreas Queisner: Nachhaltigkeit ist schon lange Firmenpolitik

Casa Familia GmbH

Warum sollten sich Unternehmen mit Nachhaltigkeit beschäftigen?

Als ich mit meinem Stellvertreter über das Thema Nachhaltigkeit sprach, sagte er lächelnd: „Dass wir noch da sind, beweist ja, dass wir nachhaltig sind.“ Und damit hat er natürlich völlig Recht. Wir sind genauso nachhaltig wie viele andere Unternehmen. Vielleicht haben wir in manchen Themenfeldern die Nase etwas weiter vorne, weil wir uns diesen früher zugewendet haben. Dabei hat der Begriff Nachhaltigkeit für uns zunächst keine Rolle gespielt. Wir wollten einfach gute Arbeitsbedingungen und Weiterbildungen für unsere Mitarbeiter, damit wir mit einem Lächeln für unsere Gäste da sein konnten. Wir haben in energiesparende Technik investiert, weil wir primär Geld und Ressourcen sparen wollten. Hätten wir all das nicht getan, wären wir heute wahrscheinlich nicht erfolgreich am Markt. Wir haben als Familienunternehmen also automatisch nachhaltig gehandelt. Aus den ursprünglichen, eher instinktiven Entwicklungen heraus, ist Nachhaltigkeit inzwischen einer der Hauptbestandteile der Firmenpolitik geworden. Davon profitieren wir jetzt und gleichzeitig macht es unser Unternehmen zukunftssicherer.

Gilt der Dreiklang der Nachhaltigkeit aus Ihrer Sicht auch in Zeiten der Energie- und Klimakrise?

Ganz bestimmt! Nachhaltiges Wirtschaften ist ein Projekt, das nie zu einem Ende kommt. Gerade jetzt, wo der wirtschaftliche Druck permanent ansteigt, das soziale Gefüge ans Wanken kommt, eine sichere Energieversorgung gefährdet scheint und Umwelt schon ernsthaft geschädigt ist, ist überlegtes zukunftsorientiertes Handeln erforderlich. Leider müssen wir oft kurzfristige Entscheidungen treffen, um aktuellen unvorhersehbaren Entwicklungen Rechnung zu tragen. Ein Beispiel dafür ist die Energiekrise. Da wir, von den Versorgern und auch der Landesregierung davon unterrichtet wurden, dass wir bei der nächsten Gaswarnstufe von der Versorgung abgeschnitten werden, mussten wir uns um eine schnell verfügbare Lösung kümmern, um in jedem Fall sicher über den Winter zu kommen. Da hat sich für unser Haus Flüssiggas angeboten. Wir haben unser Blockheizkraftwerk und unsere Thermen dafür umrüsten lassen, um sowohl Erdgas als auch Flüssiggas verwenden zu können. Kurzfristig notwendig, langfristig nachhaltig? Wirtschaftlich vielleicht, klimatechnisch sicher nicht. Leider stehen eben noch keine verfügbaren Alternativen zur Verfügung. Aber wir bleiben dran und vielleicht gibt es zukünftig gute Entwicklungen.

Welche Themen stehen für Sie aktuell im Vordergrund und woran möchten Sie als Unternehmen künftig verstärkt arbeiten?

Für uns stehen folgende Themen im Vordergrund: Energie – kurzfristig: Absicherung der Versorgungssicherheit, mittelfristig: Weiterer Ausbau der Nutzung Erneuerbaren Energien, langfristig: Möglichst nahe an die Autarkie. Ernährung: Noch mehr Einsatz von regionalen Produkten, möglichst Bio, Ausbau der hauseigenen Bäckerei, Verbesserung des veganen und vegetarischen Speisenangebots. Erweiterung des Kundekreises für unsere Bäckerei und Speisenprodukte über regionale Netzwerke. Mobilität: Umstellung des Fuhrparks auf e-Autos. Human Resources: Erweiterung des schon umfangreichen Weiterbildungsangebotes. Einführen einer Personalstelle als Bindeglied zwischen Verwaltung und Mitarbeitern, als Dienstleister und Buddy. Digitalisierung: Sind wir schon weit, aber wir verfeinern die bestehenden Systeme weiter.

Was empfehlen Sie einem Unternehmen, dass sich nachhaltiger aufstellen möchte?

Das eigene Unternehmen analysieren, eine Zukunftsvision entwickeln, Best Practice Projekte anschauen, Leuchtturmprojekte besuchen, Vernetzung, z.B. über die IHK.

Text: 20.12.2022

 

Nachhaltigkeit - mehr als ein Modewort im Casa Familia Zinnowitz: hier hören