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Deutsch-Polnischer Wirtschaftskreis: Infrastruktur für die Grenzregion gemeinsam entwickeln

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Es ging um die Vertiefung der Fahrrinne Świnoujście - Szczecin auf 12,5 Meter. Andrzej Borowiec, Bevollmächtigter des Polnischen Ministeriums für die Maritime Wirtschaft und Binnenschifffahrt im Seefahrtsamt Szczecin und Rafal Zahorski, Referent für wirtschaftspolitische Beziehungen bei der Belgischen Botschaft in Warschau und Ehrenmitglied des Vorstands der Firma MAGEMAR Polska Sp.zo.o., stellten die Pläne für die kommenden fünf Jahre beim jüngsten Deutsch-Polnischen Wirtschaftskreis vor.

Jeder Hafen, der im Wettbewerb mithalten will, muss sich dem Trend der wachsenden Größe der Containerschiffe anpassen. Der aktuell mögliche Tiefgang von 9,15m in der Fahrrinne zum Szczeciner Hafen reicht im Vergleich zu anderen Häfen im Norden Europa zukünftig nicht aus, um den neuen Containerterminal zu bedienen. Die Vertiefung auf 12,5m bringt außerdem verbesserte Sicherheitsbedingungen mit sich. Auch können nach Vollendung zwei Schiffe auf getrennten Fahrrinnen aneinander vorbei fahren.

Ein Darlehen der Weltbank wurde schon für bauliche Vorbereitungen wie die Wellenbrecher auf der Kaiserfahrt genutzt. Des Weiteren wird das Projekt mit Mitteln der Europäischen Union und aus dem Staatshaushalt Polens unterstützt. „Wir haben eine echte Deadline für die Vollendung des Projekts“, so Andrzej Borowiec. Denn die Gelder müssen bis November 2022 ausgegeben sein.

Größtes Problem der geplanten Vertiefung ist der Abtransport und die Lagerung von 20 Millionen m3 Baggergut. Eine detaillierte technische Dokumentation ist in Arbeit, die eine geplante Aufschüttung künstlicher Inseln im Haff aber auch die Räumung von Gefahrgut, vor allem von Kriegsgütern auf dem Grund einschließt.

Rafal Zahorski konzentrierte sich unterdessen auf den wirtschaftlichen Nutzen für die Unternehmen in der Region: „Bei Projektvollendung ist die Verdopplung der in den Hafen einlaufende Tonnage möglich.“ Er verwies aber auch auf die Bedeutung der Verbindung mit der Binnenschifffahrt auf der Oder und damit der Entwicklung der gesamten Grenzregion. „Zu beiden Seiten der Oder leben Menschen, die sich wünschen würden, dass die Oder wieder belebt und schiffbar wird.“ Der Fluss ist dabei neben Straße und Schiene einer von drei Verkehrswegen, die in ein Gesamtverkehrsnetz münden sollen.

In der Diskussion kamen Fragen nach dem Umweltschutz und der Abstimmung mit der deutschen Seite auf, vor dem Hintergrund der Entwicklung eines grenzüberschreitenden Wirtschaftsraums.

Torsten Haasch, Hauptgeschäftsführer der IHK Neubrandenburg für das östliche Mecklenburg-Vorpommern, betonte abschließend nochmals die Bedeutung des Szczeciner Containerhafens auch für die Wirtschaft Vorpommerns. Er sei ein Argument für Unternehmen, sich in der Grenzregion anzusiedeln. Gleichzeitig unterstrich er die Notwendigkeit, alle Egoismen zurück zu stellen. „Die Fracht sucht sich ihren Weg“, so Haasch, „es gibt eine natürliche Konkurrenz zwischen den Häfen in Szczecin, Rostock und Saßnitz. Die Infrastruktur, die die Region stark macht, müssen wir deshalb gemeinsam entwickeln und unsere regionalen Interessen gemeinsam vertreten.“