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Deutsch-Polnischer Wirtschaftskreis: Peenemünder Versuchsanstalten als grenzüberschreitendes Forschungsprojekt vorgestellt

© szczecinbiznes.pl

Am Beispiel der Peenemünder Versuchsanstalten hat sich der jüngste Deutsch-Polnische Wirtschaftskreis mit einem grenzüberschreitenden Forschungsprojekt zum Umgang mit Denkmälern in munitionsbelasteten Gebieten beschäftigt. Dazu ist das Historisch-Technische Museum (HTM) Peenemünde eine Kooperation mit der Technischen Universität Cottbus (btu) und der Akademie der Künste Szczecin eingegangen. „Die Geschichte Peenemündes ist ein sensibles Thema“, sagte Torsten Haasch, Hauptgeschäftsführer der IHK Neubrandenburg, „aber sie gehört zur Region. Diese deutsch-polnische Kooperation zeigt, wie Geschichte aufgearbeitet werden kann."

Das Projekt befasst sich vor allem mit der früheren Fertigungshalle 1, in der während des Zweiten Weltkriegs die Serienproduktion der „Vergeltungswaffen“ V1 und V2 vorbereitet wurde. Tausende Menschen, vor allem Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge, starben durch die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen und bei Luftangriffen auf das Areal. Die Forschungen widmen sich am Beispiel der Ruinen dieser Fertigungshalle den Herausforderungen an die heutige Archäologie mit Blick auf moderne Baumaterialien und Grabungen in munitionsbelasteten Gebieten. Das Projekt nutzt beispielweise neu entwickelte Fahrzeuge, die an schwer zugänglichen Orten im 360°-Modus filmen und so eine neue museale Wahrnehmung ermöglichen.

„Die Ergebnisse dieser interdisziplinären Forschung im deutsch-polnischen Grenzgebiet werden im Museum in Peenemünde einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht“, erläutert HTM-Geschäftsführer Michael Gericke. Eine 700 Meter lange Wegekonstruktion soll den Blick auf die Ruinen der Fertigungshalle ermöglichen.

Die Nähe zu Polen zeigt sich auch in den Besucherzahlen: 44 Prozent der ausländischen Besucher kommen aus dem Nachbarland. Neben seiner Relevanz für das Grenzgebiet hat das Projekt eine internationale Vorreiterrolle für den Umgang mit Welterbe in munitionsbelasteten Gebieten.

Eine Erweiterung der Kooperation könnte das Projekt durch das Angebot von Professor Dr. Wolfgang Kresse, Dekan des Fachbereiches Landschaftswissenschaften und Geomatik der Hochschule Neubrandenburg, durch den Einsatz neuster Vermessungstechnologie erfahren.