Förderung von Qualifizierung für Existenzgründungen und Unternehmensnachfolgen durch Bildungsschecks

Bei der Erstberatung von Existenzgründern werden häufig kaufmännische Defizite festgestellt. Qualifizierung und Coaching vor der Existenzgründung steht im Mittelpunkt der Förderung des Landes.

Zu diesem Zweck werden an Gründer Bildungsschecks ausgegeben, die einen kaufmännischen Grundkurs fördern und innerhalb von 6 Monaten bei geeigneten Bildungsträgern eingelöst werden können. Informationen zu aktuellen Weiterbildungsangeboten finden Sie auf der Weiterbildungsdatenbank Mecklenburg-Vorpommern. Inhaber/-innen von Bildungsschecks zur Qualifizierung für Existenzgründungen und Unternehmensnachfolgen können über die Pinnwand anonym und kostenfrei ihre individuelle Suchanzeige aufgeben.

Individuelle Unterstützung wird mit dem Coaching an zwei Beratungstagen – bei Unternehmensnachfolgen bzw. technologieorientierten Neugründungen mit bis zu vier Beratungstagen – gefördert. Bei den zwei zusätzlichen Beratertagen für Unternehmensnachfolgen müssen sich die Beratungsleistungen auf den Verhandlungsprozess zwischen Übergabe- und Übernahmeinteressierten (Kaufpreiseinigung, Finanzierung, Entwicklung von Strategien zur Unternehmensfortführung u.a.) beziehen. Die Beratungs- und Begleitungsleistungen für innovative und technologieorientierte Existenzgründungen müssen sich auf Schutzrechtsfragen, Patentrecherchen oder vergleichbare Leistungen beziehen.

Eine Eigenbeteiligung von 20 Prozent ist Voraussetzung. Für Studenten beträgt der zu zahlende Eigenanteil nur 10 Prozent. Bewilligungsbehörde für die Bildungsschecks ist die IHK Neubrandenburg für das östliche Mecklenburg-Vorpommern.

Gründungszuschuss

Existenzgründerinnen und Existenzgründer, die sich aus der Arbeitslosigkeit selbstständig machen und ALG I-Empfänger sind, können über die Agentur für Arbeit mit einem Gründungszuschuss gefördert werden.

Bei Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit müssen Gründerinnen und Gründer über einen Anspruch auf Arbeitslosengeld von mindestens 150 Tagen verfügen. Außerdem müssen sie die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten zur Ausübung der selbstständigen Tätigkeit darlegen, der Gründungszuschuss stellt eine Ermessensleistung dar.

Eine fachkundige Stelle muss das Existenzgründungsvorhaben begutachten und die Tragfähigkeit der Existenzgründung bestätigen. Fachkundige Stellen sind insbesondere Industrie- und Handelskammern und Handwerkskammern.

Die Förderung mit dem Gründungszuschuss gliedert sich in zwei Phasen, die zusammen eine maximale Förderdauer von 15 Monaten ergeben. Spätestens dann muss der Gründer finanziell auf eigenen Füßen stehen.

Die erste Phase der Förderung umfasst 6 Monate. Der Gründer erhält zur Sicherung des Lebensunterhaltes weiterhin monatlich sein individuelles Arbeitslosengeld. Zusätzlich steht ihm eine Pauschale in Höhe von € 300 pro Monat zu, die der sozialen Absicherung bzw. der Sozialversicherungsbeiträge dienen soll.

Die zweite Phase der Förderung umfasst weitere 9 Monate. Bei diesem Baustein des Gründungszuschusses handelt es sich auch um eine Ermessensleistung der Arbeitsagentur. Dieser Zuschuss muss gesondert beantragt werden. Nach Genehmigung erhält der Gründer auch über diesen Zeitraum die Pauschale in Höhe von € 300 pro Monat. Die Arbeitslosengeld-Zahlungen entfallen.

Weiterhin ergibt sich ein neuer Anspruch durch den Abschluss der freiwilligen Weiterversicherung in der Arbeitslosenversicherung. Dazu muss ein Antrag innerhalb der ersten drei Monate der selbständigen Tätigkeit gestellt werden.

Voraussetzung ist, dass der Antragsteller innerhalb der letzten 24 Monate unmittelbar vor Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit mindestens zwölf Monate versicherungspflichtig beschäftigt war oder eine sogenannte Entgeltersatzleistung (zum Beispiel Arbeitslosengeld) bezogen hat. Es muss sich dabei nicht um einen zusammenhängenden Zeitraum von zwölf Monaten handeln; Zeiten der Versicherungspflicht und des Leistungsbezuges werden zusammengerechnet. Grundsätzlich darf die Zeit zwischen beiden Beschäftigten nicht mehr als einen Monat betragen.

Einstiegsgeld

Einstiegsgeld kann bei Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit als Zuschuss zum Arbeitslosengeld II für die Dauer von höchstens 24 Monate gezahlt werden. Die Höhe orientiert sich an der Dauer der Arbeitslosigkeit und der Größe der Bedarfsgemeinschaft der Gründerin oder des Gründers.

ALG-II-Empfänger können Einstiegsgeld erhalten, wenn die persönlichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Existenzgründung vorliegen und die selbständige Tätigkeit wirtschaftlich tragfähig ist.

Einstiegsgeld und weitere Leistungen zur Eingliederung von Selbständigen müssen beim Jobcenter beantragt werden. Das Jobcenter entscheidet auch, ob zur Beurteilung der Tragfähigkeit der selbständigen Tätigkeit die Stellungnahme einer fachkundigen Stelle (Tragfähigkeitsprüfung) erforderlich ist.

Beim Einstiegsgeld und bei den weiteren Leistungen handelt es sich um eine so genannte Kann-Regelung. Das heißt: Es gibt keinen Rechtsanspruch auf Förderung.

Darüber hinaus können selbständige ALG-II-Empfänger finanzielle Hilfen bekommen, wenn zu erwarten ist, dass sie ihre Hilfebedürftigkeit dadurch dauerhaft überwinden oder reduzieren. Dies können z.B. Zuschüsse (max. 5.000 Euro) und Darlehen zur Beschaffung von Sachgütern sein oder Beratungsleistungen, z.B. durch Gründungsinitiativen, Unternehmensberater oder Steuerberater.

Förderung durch Gründungsberatung

Im Rahmen eines einheitlichen Beratungsförderprogramms des Bundes können Jungunternehmen bis zwei Jahre nach Gründung sowie Unternehmen ab dem dritten Jahr nach Gründung einen Zuschuss zu Beratungsleistungen erhalten.

Das Programm „Förderung unternehmerischen Know-Hows“ wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und den Europäischen Sozialfonds gefördert.

Damit erhalten die Unternehmen einen besseren Zugang zu externem unternehmerischen Know-how. Gerade für Menschen die sich selbstständig machen, sind eine gute Vorbereitung und Begleitung von unternehmerischen Richtungsentscheidungen essenziell. Professionelle Beratung unterstützt dabei, die Erfolgschancen von Gründungen wie auch die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit bestehender Unternehmen zu steigern.

Die Beratung für Jungunternehmen und Bestandsunternehmen kann zu allen wirtschaftlichen, finanziellen, personellen und organisatorischen Fragen der Unternehmensführung gefördert werden.

Bei einer maximalen Bemessungsgrundlage von 4.000 Euro für antragstellende Jungunternehmen sowie von 3.000 Euro für Bestandsunternehmen beträgt der Fördersatz für die neuen Bundesländer 80 Prozent. Jungunternehmen, die einen Förderzuschuss für eine Unternehmensberatung beantragen möchten, müssen vor der Antragstellung ein kostenloses Informationsgespräch mit einem regionalen Ansprechpartner ihrer Wahl führen. Die IHK Neubrandenburg für das östliche Mecklenburg-Vorpommern ist regionaler Ansprechpartner für die Unternehmen.

Die Umsetzung der Beratungsförderung erfolgt durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Die Antragstellung erfolgt online über die Antragsplattform des BAFA.

Wer wird gefördert?

Die neue „Förderung unternehmerischen Know-hows" richtet sich an

  • junge Unternehmen, die nicht länger als zwei Jahre am Markt sind (Jungunternehmen)
  • Unternehmen ab dem dritten Jahr nach der Gründung (Bestandsunternehmern)
  • Unternehmen, die sich in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befinden - unabhängig vom Unternehmensalter (Unternehmen in Schwierigkeiten)

Die Unternehmen müssen ihren Sitz in der Bundesrepublik Deutschland haben und der EU-Mittelstandsdefinition für kleine und mittlere Unternehmen entsprechen.
Zusätzlich müssen Unternehmen in Schwierigkeiten die Voraussetzungen im Sinne von Nummer 20 Buchstabe a oder Nummer 20 Buchstabe b der Leitlinien für staatliche Beihilfen zur Rettung und Umstrukturierung nichtfinanzieller Unternehmen in Schwierigkeiten (2014/249/01) in der jeweils geltenden Fassung erfüllen.

Als Gründungsdatum zählt bei gewerblich Tätigen der Tag der Gewerbeanmeldung bzw. des Handelsregisterauszugs, bei Freiberuflern die Anmeldung beim Finanzamt.

Nicht antragsberechtigt sind unabhängig vom Beratungsbedarf:

  • Unternehmen sowie Angehörige der Freien Berufe, die in der Unternehmens-, Wirtschaftsberatung, Wirtschafts- oder Buchprüfung oder Steuerberatung bzw. als Rechtsanwalt, Notar, Insolvenzverwalter oder in ähnliche Weise beratend oder schulend tätig sind oder tätig werden wollen.
  • Unternehmen, über deren Vermögen ein Insolvenzverfahren eröffnet wurde oder die die Voraussetzungen für die Eröffnung eines solchen Verfahrens erfüllen.
  • Unternehmen, die in einem Beteiligungsverhältnis zu Religionsgemeinschaften, juristischen Personen des öffentlichen Rechts oder zu deren Eigenbetriebe stehen.
  • Gemeinnützige Unternehmen und gemeinnützige Vereine sowie Stiftungen.

Zu beachten ist des Weiteren, dass Beratungen von Unternehmen, z.B. Unternehmen der landwirtschaftlichen Primärerzeugung, der Fischerei und Aquakultur oder zu Inhalten, die gemäß Artikel 1 Absatz der Verordnung (EU) Nr. 1407/2013 ausgeschlossen sind, nicht gefördert werden können.